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02.10.2015

Die Herausforderung der Zukunft ist die nahtlose Verbindung menschlicher und maschineller Arbeit - 4 Fragen an Oliver Campbell

Oliver Campbell glaubt nicht, dass Anwälte in zehn Jahren aussterben werden. Einen Teil ihrer Arbeit würden jedoch Maschinen übernehmen. Deren Ergebnisse müssen sie zu überprüfen und zu ergänzen lernen.

Frage: In Ihrem Vortrag stellen Sie die Frage, ob Rechtstechnologie in Zukunft von Anwälten oder von rechtlichen Technikern bedient werden wird. Was meinen Sie damit?

Campbell: Das Thema der Konferenz ist das Potenzial künstlicher Intelligenz (KI) und anderer Technologien, den Markt der Rechtsberatung zu verändern. Anwälte werden mit diesen Lösungen zumindest gut genug vertraut sein müssen, um ihren Mandanten raten zu können, wann und wie sie sie einsetzen sollten. Aber erwarten uns vielleicht noch grundsätzlichere Änderungen? Anwälte werden die Computer "trainieren" müssen, aber werden sie anschließend vielleicht von jemand mit anderen Fähigkeiten (dem rechtlichen Techniker) bedient werden? Und was könnte das für den Anwaltsberuf bedeuten?

Frage: Warum brauchen Anwälte mehr Technologie?

Campbell: Mandanten erwarten von ihren Anwälten einen Gegenwert für ihr Geld. Das setzt auch ein kluges Kostenmanagement voraus. Wenn Technologie das ermöglicht, sollten wir es unseren Mandanten anbieten, auch wenn die Ergebnisse vielleicht nicht zu 100 Prozent akkurat, dafür aber deutlich günstiger zu erreichen sind. Das eröffnet auch neue Möglichkeiten, zum Beispiel die Durchsicht aller Dokumente,  wo es früher nur mit Stichproben kosteneffizient möglich gewesen wäre.

Frage: Gibt es Grenzen dieser Industrialisierung?

Campbell: Manche Aufgaben lassen sich natürlich leichter automatisieren als andere. Am oberen Ende des Beratungsspektrums, z.B. bei komplizierten M&A- oder Regulierungsfragen, werden wir wohl so bald keine Maschinen sehen.  Das liegt zum Teil daran, dass Anwälte ihren Rat oft in komplexen Einzelfällen erteilen müssen, die sich schlecht typisieren lassen - anders als in meinem früheren Arbeitsfeld, der Medizin, wo KI schnellere Fortschritte macht, weil sich Krankheitssymptome besser kategorisieren lassen.

Frage: Wie sieht der Rechtsberatungsmarkt in zehn Jahren aus?

Campbell: So weit in die Zukunft reichende, zutreffende Prognosen sind schwer möglich. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es noch Anwälte geben wird. Aber ich denke, es wird auch viele andere,  technologische Anbieter geben, die ehemals rein anwaltliche Dienstleistungen übernehmen. Die Kunst besteht dann darin, diese Angebote so nahtlos zu verbinden, dass der Mandant weiterhin eine erstklassige, gut abgestimmte Leistung erhält.

Oliver Campbell ist Anwalt, Mediziner und Global Head of Client Service Solutions bei Clifford Chance. Oliver Campbell ist darüberhinaus Referent der 5. Herbsttagung des Bucerius CLP.

Das Interview führte Pia Lorenz, LTO.

Brünjes, Julia

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Julia Brünjes
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